Spezial-Strafrechtsschutz – Wofür braucht man den eigentlich?

Es klingelt an der Tür, und der Staatsanwalt steht davor. Der Vorwurf lautet Steuerhinterziehung. Absurde Vorstellung? Eigentlich ja, denn als gesetzestreuer Bürger und Unternehmer hat man schließlich immer seine Steuern bezahlt. Dennoch liegt dem Finanzamt ein anonymer Tipp vor, dem man nachgehen will – und schon steht der Vorwurf im Raum. Vielleicht war es ein Konkurrent? Vielleicht aber auch der Mitarbeiter, von dem man sich im Streit trennte? Fest steht nur, dass man angeschwärzt wurde und jetzt in einem ganz schönen Schlamassel steckt.

Wer soll das bezahlen?
Erster Gedanke: „Da schalte ich meinen Anwalt ein!“ Doch wer soll den bezahlen? „Na mein Rechtsschutz!“, wird ein Kunde jetzt sicher sagen. Nein, das wird er vermutlich nicht…
Steuerhinterziehung… Vorsatzvorwurf… Nicht im herkömmlichen Rechtsschutz mitversichert. Wo eine gute Strafverteidigung doch entscheidend dafür ist, ob man mit Vorstrafe oder Freispruch aus der Verhandlung geht… Das ist ja nun mal ungünstig, oder?
Ein Rechtsschutzvertrag beinhaltet zwar auch eine Deckung für den Bereich des Strafrechts, hierunter fallen aber keine Vorsatzdelikte.

Was ist ein Vorsatzdelikt?
Unter einem Vorsatzdelikt versteht man eine Straftat, die man nur vorsätzlich also mit voller Absicht und im Wissen um die Folgen der Handlung begehen kann. Darunter fallen z. B. Betrug, Steuerhinterziehung, Unterschlagung, Diebstahl, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, Tierquälerei, …
Andere Straftaten können auch aus Versehen begangen werden. Von einer fahrlässigen Körperverletzung beispielsweise haben Sie sicher schon gehört.

Nur durch Erweiterung!
Keine Sorge, auch gegen Vorsatzdelikte kann man sich schützen. Da hilft ein Spezial-Strafrechtsschutz (gewerbliche Kunden) bzw. der erweiterte Strafrechtsschutz bei Privatkunden weiter.
Der kostet bei vielen Anbietern und Tarifen (i. d. R. „Bausteintarife“) einen kleinen Mehrbeitrag. In vielen „Komplettpaketen“ ist die Erweiterung des Strafrechtsschutzes bereits mit enthalten.

Auch bei Verbrechen?
Verbrechen sind besonders schwere Vorsatzdelikte, für die das Strafgesetzbuch eine Mindeststrafe von einem Jahr Freiheitsstrafe vorsieht (§12 StGB). Darunter fallen z. B. Geldfälschung, Mord, Meineid, Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Raub…

Hier besteht die grundsätzliche Meinung in der Branche, dass normalerweise „nicht einfach so“ wegen einer so schweren Straftat gegen jemanden ermittelt wird.

Die Statistik gibt dieser Annahme recht: Bei Betrachtung aller Straftaten in Deutschland werden 80 % alle Angeklagten im Strafverfahren auch verurteilt; bei 17 % erfolgt eine Einstellung des Verfahrens gegen Auflage (§ 153a StPO) und nur 3 % werden freigesprochen.

Da die Wahrscheinlichkeit also enorm hoch ist, dass ein vermeintlicher Verbrecher auch tatsächlich einer ist, möchte man diesen nicht unterstützen. Das ist zum einen tatsächlich eine moralische Sache, wären die „Hilfszahlungen“ nach der Verurteilung ohnehin zurück zu zahlen. Im Ergebnis deckt nahezu kein Versicherer am deutschen Markt Verbrechen in seinem Spezial- bzw. erweiterten Strafrechtsschutz ab.

Ausnahmen von dieser Regel gibt es natürlich meist auch „nur“ in der Form, dass bestimmte Straftaten wieder eingeschlossen werden (z. B. Verstöße gegen die sexuelle Selbstbestimmung).

Was wird dann bezahlt?
Ein Strafverteidiger (i.d.R. auch mit angemessenem Honorar über die Sätze des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes), Kosten für Sachverständige und Gutachter sowie Entschädigungen für Zeugen.

Was ist zu beachten?
Der Strafrechtsschutz soll – wie schon erwähnt – gegen unberechtigte Vorwürfe schützen. Sollte ein rechtskräftiges Urteil die versicherte Person schuldig sprechen, sind dem Versicherer die Auslagen zu erstatten. Je nach Anbieter und Tarif wird hiervon abgesehen, wenn das Strafverfahren gegen Auflage eingestellt oder mit Strafbefehl beendet wird.

Für wen ist diese Art der Absicherung interessant?
Grundsätzlich kann gegen jeden mal der Vorwurf einer Straftat im Raum stehen – ganz egal, ob privat oder geschäftlich. Körperverletzung, Umweltverschmutzung, Steuerhinterziehung, sexuelle Nötigung oder Bestechung sind nur einige Strafbestandsvorwürfe, die jedem schnell vorgeworfen werden
können. Unsere Empfehlung ist daher ganz klar, diesen sinnvollen Schutz ausnahmslos bei jedem Kunden vorzustellen – unabhängig von Branche, Alter oder Geschlecht. Es ändert sich so vieles in unserer Gesellschaft, dass man besser rundum gewappnet ist.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie in unseren Kundenbroschüren zum Spezial- und erweiterten Strafrechtsschutz , die wir Ihnen gern zusenden. Bitte nutzen Sie unser Kontaktformular oder unseren Rückrufservice zur Anforderung weiterer Informationen oder zur  Vereinbarung eines Beratungstermins.

Ein Gedanke zu „Spezial-Strafrechtsschutz – Wofür braucht man den eigentlich?

  1. Hallo und vielen Dank für den interessanten Artikel. Ein spannendes Thema ist das Strafrecht schon, aber vermutlich nur für den Anwalt. Ich denke der Beschuldigte ist für den Fall der Fälle über die Versicherung froh.

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